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Wo geht es hier eigentlich um die Kinder?

Einschlafbegleitung von Kindern in der Krippe

Au weia, da ist einiges zu sagen!

1.

„Kinder die nicht von alleine schlafen - brauchen den Schlaf nicht“ - das ist kompletter Unsinn. Kinder (wie auch Erwachsene) können nur dann in den Schlaf finden, wenn sie sich entspannen können. Das ist von der Natur so vorgesehen. Gibt man Kindern keine Gelegenheit sich zu entspannen, dann KÖNNEN sie nicht schlafen, auch wenn sie es eigentlich MÜSSTEN. Und gerade U3-Kinder sind für ihre Regulation in aller Regel auf einen, manche jüngeren Kinder auch noch auf zwei Tagesschläfchen angewiesen (nur wenige U3 Kinder kommen ganz ohne Tagschlaf aus, und denen tut eine Ruhephase trotzdem sehr gut).

2.

Der Weg zur Entspannung führt für Kinder im U3-Alter meistens noch über das Signal der unmittelbaren Sicherheit: hier ist alles gut, die euch vertrauten Menschen sind erreichbar, sie wachen über euch, ihr könnt deshalb schlafen. Nur in einer solchen vertrauten, sichernden Atmosphäre können die Kleinen „abschalten“. Auch die gemeinsame „Lageratmosphäre“ trägt dazu bei (Kinder schlafen in der Kita oft besser als ihre Eltern das erwarten 😉 ). Es muss dazu nicht stockdunkel sein (das war letzten Dienstag Thema), aber es darf natürlich abgedunkelt sein (ihr merkt ja selber, was für die Kinder am besten funktioniert).

3.

Zur direkten Einschlafbegleitung: Der Weg zur Entspannung beinhaltet für manche Kinder die körperlich gespürte Präsenz einer

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Veröffentlicht am 09.04.2024 um 16:38:25 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Comic: Der Letzte Baum dieser Erde

Zu einem Comic braucht man ja eigentlich nicht viel zu sagen 😉

Trotzdem ein paar Takte dazu:

Wird Homo sapiens einmal Geschichte sein?

Natürlich. Jeder Art ist einmal Geschichte – und jede menschliche Zivilisation ist einmal Geschichte.

Wie lange sich eine Art in der evolutionären Geschichte hält, hängt von ihrer Anpassungsfähigkeit ab.

Bezogen auf den Menschen also auch von der Frage:

Kapieren wir schnell genug, dass wir unsere Kinder nicht dadurch auf die Zukunft vorbereiten, dass wir ihnen die Bildung von gestern angedeihen lassen?

 

 

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Veröffentlicht am 04.04.2024 um 11:26:04 Uhr - Kategorie: Bildung, Kitas, Schule .... - Autor: Herbert Renz-Polster

Muss es zum Einschlafen dunkel sein?

Beim Schlafen in der Nacht sollte es in der Tat dunkel sein. Denn die Bildung des Körperhormons Melatonin in der Zirbeldrüse des Gehirns wird durch Lichteinstrahlung unterdrückt. Dieses Hormon aber ist wichtig, weil es uns schon ab dem Säuglingsalter den Schlaf-Wach-Rhythmus einflüstert und dem Körper auch andere Signale gibt, die für einen guten Schlaf wichtig sind (etwa: bitte jetzt die Körpertemperatur absenken!)

Dennoch ist alles – wie so oft – ein bisschen komplizierter. 😉

Ihr macht nämlich tatsächlich mit eurem Kind nichts falsch.

Schauen wir dazu die körperlichen Vorgänge genauer an. Wie gesagt, das Melatonin wird durch Licht unterdrückt, deshalb liegt es tagsüber in niedrigen Konzentrationen vor. Mit Eintritt der Dunkelheit steigen die Melatoninspiegel dann langsam an. Allerdings: In richtig großen Mengen wird Melatonin dann erst nach Mitternacht ausgeschüttet (seine höchste Konzentration erreicht es erst zwischen 2 und 3 Uhr morgens. Jetzt zirkuliert drei mal mehr von diesem Hormon im Blut als tagsüber).

Wichtig dabei ist das: Die Ausschüttung von Melatonin wird nur durch *starkes* Licht unterdrückt, und zwar wenn dieses durch die Augen auf die Netzhaut einwirkt. So lässt sich in Experimenten nachts der Melatoninspiegel durch das Anschalten einer starken Lichtquelle innerhalb von einer Stunde auf Tagesniveau unterdrücken. Allerdings sind dazu satte 1500 bis 2500

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Veröffentlicht am 02.04.2024 um 18:03:32 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Unerfüllter Wunsch nach Geschwisterkind

Danke, dass Du uns da mitnimmst in Deine Gefühle!

Ihr seid beide traurig, und das darf sein. Denn das Thema ist ja noch in Dir und bleibt das auch dann, wenn „alles in Ordnung“ ist und die Lücke schon weitgehend zugewachsen ist. Das merkst Du dann bei solchen Anlässen. (Und von denen werden vielleicht noch mehr kommen, und sei es später der Auszug deines Kindes, oder, oder, oder).

Wir tragen ja sowohl unsere Triumphe als auch unsere Enttäuschungen weiter durchs Leben.

Deshalb ja, die Trauer darfst Du anerkennen und ihr Resonanz geben. Und Teil dieser Trauer kann auch das Gefühl von Einsamkeit sein. Da hilft es überhaupt nicht, das Gefühl wegzudrängen, auch nicht durch noch so rationale Argumente („wir sind ja eine Familie… haben ja dieses tolle Kind… und andere haben gar keines“ … usw.). Diese Floskeln wirken nicht, denn Realität ist, dass der „Folgekinderwunsch“ genauso unendlich riesig sein kann wie der erste Kinderwunsch. Und deshalb ist auch der Schmerz nicht unbedingt kleiner (auch wenn Dein Umfeld das vielleicht erwartet – was den Schmerz und die Einsamkeit dann ja oft nur noch größer macht …)

Jetzt aber zu Deiner Tochter.

1.

Wichtig ist, dass das Thema Geschwisterlosigkeit für sie keine Blackbox ist, sondern ihr darüber offen reden könnt – wenn sie mag. Das muss keine möglichst umfassende Aufklärung sein, im Gegenteil, das kann in

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Veröffentlicht am 26.03.2024 um 17:40:25 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Zwillinge trennen oder nicht?

Das glaube ich nicht. Aber dieser Eindruck kann durchaus entstehen, wenn man die vielen Ansagen rund um Zwillinge betrachtet:

… sie würden ihre Individualität nur ausbilden, wenn sie getrennt würden… … das weniger dominante Kind in dem Zwillings-Paar würde sich immer auf den Stärkeren verlassen - wie soll es dann selbstständig werden ? … … und dann diese Rolle auch in der Gruppe weiter einnehmen, wenn sein Bruder mit dabei ist…wie soll es lernen sich auch mal durchzusetzen ? …

Gut, da einmal einen Blick auf die Sozialentwicklung von Zwillingen, ja von Geschwistern generell, zu werfen (die will man ja auch manchmal trennen um sie vorwärts zu bringen)!

1

Zwei-eiige Zwillinge sind genauso unterschiedlich wie Geschwister (können von ihrer Art her also auf komplett unterschiedlichen Sternen leben). Ein-eiige Zwillinge sind in vielen Merkmalen sehr ähnlich - aber sie sind nicht gleich. Ganz grob kann man sagen: das Äußere deckt sich ziemlich (Aussehen, oft auch z.B. IQ), je weiter man aber auf die „innere Auskleidung“ blickt, desto mehr Unterschiede fallen auch bei ein-eiigen Zwillingen auf. Bei aller Ähnlichkeit hast du also zwei unterschiedliche Menschen vor Dir (weißt Du ja).

2

Der Forschungsstand zur Entwicklung von Individualität unter Zwillingen und generell Geschwistern ist gut ausgeleuchtet (das verdanken wir etwa Judith Harris, die die Studien dazu in ihrem Buch „“ zusammenfasst). Jedes Kind sucht sich

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Veröffentlicht am 19.03.2024 um 17:27:29 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Wie mit meiner willensstarken Tochter (2J) umgehen?

Danke, und ja, das kann ich total nachvollziehen! Und andere Eltern sicher auch… Denn: ich habe diese Frage deshalb ausgesucht, weil sie häufiger gestellt wurde. Du bist, eindeutig, in deinem Kummer nicht allein.

Das vorweg: Ich kann Dir für deinen ganz eigenen Fall kein genaues Skript geben. Das geht nicht, weil ich weder dein Kind, noch dich, noch eure Geschichte kenne. Ich kann dir aber einen Hintergrund schildern, aus dem du bestimmt etwas mitnehmen kannst. Ja, auch ganz konkret für dich und deine Tochter.

1

Die letzte Frage beantwortest du selbst: „In den 4 Wänden festsitzen“ – nein, das ist wirklich kein Weg. Schauen wir lieber gemeinsam, was sonst noch geht… 😉

2

Zornanfälle in der Autonomiephase sind meist durch Frustration ausgelöst: Das Kind kann sein Ziel nicht erreichen, etwa weil ihm etwas misslingt oder weil ihm jemand etwas verwehrt („nein, wir fahren nicht noch mal, wir müssen nach Hause“). Das ist eine altersgerechte Reaktion, Kleinkinder lernen ja erst nach und nach ihre Gefühle gut zu regulieren. Das hat nichts mit „schlechten Absichten“ zu tun („mein Kind will Aufmerksamkeit“ – was für eine gemeine Denke!). Und niemand ist schuld. Auch du nicht.

3

Manchen Kindern fällt die Selbstregulation von ihrem Naturell her schwerer als anderen – sie haben sozusagen straffer aufgezogene Saiten. Und ja, das kann lästig sein. Diese Kinder haben dafür andere Stärken, und das weißt du auch

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Veröffentlicht am 12.03.2024 um 19:41:15 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Wutanfälle bei 7-jährigem Kind

Ja, gut dass du fragst, denn vielleicht haben sich da auch ein paar Missverständnisse eingeschlichen. Vorweg das: Dass einem 7-jährigen Kind auch Dinge manchmal gegen den Strich gehen, ist normal. Nicht normal aber ist, dass ein ansonsten normal entwickeltes 7-jähriges Kind regelmäßig komplett die Kontrolle verliert und dabei handgreiflich und zerstörerisch wird, ob gegen Sachen oder gegen Dich. Vielleicht ein paar Gedanken dazu, nimmt Dir gerne raus, was für Dich stimmig erscheint:

1.

Ein Kind „durch einen Wut- oder Frustrationsanfall zu begleiten“ kann Sinn machen, wenn du ein Kleinkind vor Dir hast, das außer sich ist und dann vielleicht das Signal braucht: die Welt ist sicher, Mama ist da! Aber selbst vom Kleinkind kommt oft das deutliche Signal: „Jetzt lass mich auch mal selber was mit mir ausmachen!“ … … Aber Du hast hier einen 7 jährigen Jungen vor Dir, der Dir klar signalisiert, dass er sich gerade abgrenzen will. Das darf er.

2.

Ich halte es auch nicht für Deine Aufgabe, jetzt Deinem frustrierten oder zornigen Kind erklären oder zeigen zu wollen, wie man mit Zorn umgeht – das klappt nicht und ist ganz sicher der falsche Zeitpunkt (dazu gleich mehr). Und Du bist auch nicht der Coach oder die Therapeutin Deines Kindes, sondern seine Mutter, deren Grenzen Dein Sohn im Zorn offenbar massiv überschreitet und verletzt (es wundert mich, dass Du das in der Frage nicht thematisiert hast, denn mir fällt das stark ins

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Veröffentlicht am 05.03.2024 um 18:21:54 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Neue SIDS Studie – es kommt Bewegung in die Elternbett-Frage!

SIDS-Forschung: wissenschaftlich herausfordernd…

Die SIDS-Forschung kann sich bekanntermaßen nicht auf „echte“ Experimente verlassen (also etwa nach dem Muster: eine Gruppe darf als Säuglinge auf dem Bauch schlafen, die andere nur auf dem Rücken, und dann wird das Ergebnis nach einem Jahr verglichen…), sie muss sich also mit weniger aussagekräftigen Forschungsmethoden zufrieden geben, und daraus das Beste machen. Dazu gehören Fall-Kontroll-Studien, die einen unglaublichen Aufwand bedeuten und entsprechend selten sind (dabei wird jedem an SIDS verstorbenen Säugling ein oder mehrere nicht verstorbene Säuglinge gleichen Alters und Geschlechts zugeordnet und dann mit Hilfe von umfangreichen Fragebögen untersucht, inwieweit sich die Umstände und Einflüsse in der Todesnacht unterschieden haben).

Eine weitere Methode sind retrospektive Analysen von Daten, die rund um diese tragischen Todesfälle gesammelt werden, etwa in der Sterbeurkunde oder bei der diagnostischen medizinischen Abklärung.

Neue vergleichende Register-Studie

Um eine solche post-hoc Analyse handelt es sich bei der jetzt in der renommierten Zeitschrift Pediatrics von bekannten US-amerikanischen SIDS-ForscherInnen veröffentlichten Studie.

Sie analysiert die unerwarteten Säuglingstodesfälle aus den Jahren 2011-2020 in mehreren Bundesstaaten der USA, die Daten beziehen sich insgesamt auf etwa ein Drittel der Gesamtpopulation der USA. Dabei kamen

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Veröffentlicht am 01.03.2024 um 16:15:02 Uhr - Kategorie: Aktuelles - Autor: Herbert Renz-Polster

FAQ zu Mit Herz und Klarheit

Gibt es auch eine Hörbuchversion?

Ja. Das Hörbuch gibt es als ungekürzte Fassung exklusiv bei Audible. Hier gehts zum Hörbuch.

 

Gibt es in diesem Buch Hinweise wenn man ein besonderes Kind hat? ADHS etc

Nein, ich bin aber der Meinung, dass besondere Kinder umso mehr von dem brauchen was alle Kinder brauchen

 

Ist das Buch auch noch für die Begleitung von pubertierenden Jugendlichen?

Ja, absolut! Gerade da brauchst du ja eine gute Grundhaltung, und Herz und Klar so viel es geht.

Für welches Alter der Kinder lohnt es sich zu lesen? Ist es grundlegend oder für Eltern von Kindern in bestimmten Alter? Werden Jugendjahre auch Thema sein?

Es ist grundlegend, aber voller praktischer Beispiele aus allen Atersgruppen, und erklärt auch die einzelnen Entwicklungsphasen (etwa Autonomiephase des Kleinkinds aber auch Pubertät)

 

Welches ist Ihr Lieblingssatz aus dem Buch?

»Typisch Kind: Die Frucht der Geborgenheit ist die Sehnsucht nach Aufbruch.«

und Hier mein Lieblings-Absatz:

»Der Verzicht auf Strenge heißt nicht, dass sich Eltern „alles gefallen lassen“. Nein, wir müssen nicht akzeptieren, wenn ein Kind gemein oder entwertend zu uns Eltern ist. Wir dürfen uns zeigen, und unsere Gefühle auch. Kein Kind hat Lust, mit einer von Teflon überzogenen Kunstfigur zu leben. Wie sollen Kinder ein echtes Miteinander

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Veröffentlicht am 01.03.2024 um 12:00:34 Uhr - Kategorie: Mit Herz und Klarheit - Autor: Herbert Renz-Polster

Macht Zucker hyperaktiv?

Danke, und ja, das ist immer wieder zu hören. Zuletzt ging es sogar in der Familie eines meiner Enkelkinder rund, weil die Mama der kleinen Motje erlaubt hatte, abends ausnahmsweise noch eine Süßigkeit zu essen. Der Papa aber meinte, da würde sie dann bestimmt nicht schlafen können.

Spoiler: sie schlief problemlos ein.

Und das passt auch sehr gut zu der wirklich umfangreichen wissenschaftlichen Literatur rund um Zucker und Kinder: Man kann Zucker für alles Mögliche verantwortlich machen (etwa Karies) – aber nicht dafür, dass Kinder ausser Rand und Band geraten, aggressiv sind, schlecht schlafen, schlechter (oder besser) denken oder generell hyperaktiv sind.

Und Zucker macht auch kein ADHS.

Schauen wir uns die Wissenschaft einmal an. Der Mythos, dass Zucker Kinder zappelig macht, exisitert nachweislich schon seit den 1940er Jahren. Neue Nahrung bekam diese Story dann in den 1970er Jahren, da berichtete ein Arzt in einer Ärztezeitschrift, dass er ein Kind mit vielfältigen Problemverhalten durch das komplette Weglassen von Zucker praktisch geheilt hätte!

Viele Eltern können da glaube ich mitschwingen. In Forschungsarbeiten lässt sich auch tatsächlich zeigen, dass Eltern häufig den Eindruck haben, ihr Kind sei nach dem Genuss von Zucker stärker aufgedreht. Die Forschenden machten dann allerdings gleich die Probe aufs Exempel und ließen die Kinder ein zuckerhaltiges Getränk trinken. Da war zwar in Wirklichkeit kein

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Veröffentlicht am 27.02.2024 um 20:47:16 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Wie viel Medienzeit ist ok für Kleinkinder?

Ich muss dir gleich sagen: auch ich habe keine Antwort in Zahlen, denn die gibt es nicht.

Ganz generell, damit du meine eigene Haltung kennst: Ich bin beim Medienthema zwar nicht im Team Panik – aber im Team Vorsicht. Hier meine Koordinaten:

Die generelle Empfehlung der Kinderärzte („keine Bildschirmmedien unter 3“) finde ich wenig alltagstauglich und zu pauschal, man sollte den Eltern auch nicht Angst machen, dass ein kleines Gehirn allein durch das Gucken von Videos geschädigt wird, das ist Unsinn. Ich verstehe aber auch Eltern, die sagen: in den ersten paar Jahren reichen uns die „alten“ Medien vollauf, wir fahren damit besser.

Auch das ist mir wichtig: Für die „richtige“ Dosis werden gerne wissenschaftliche Studien angeführt. Nur: die Wissenschaft kann die Dosisfrage aus methodischen Gründen gar nicht beantworten. Und für dein Kind sowieso nicht. Und wenn ich die Studien dann durchgehe, die da ins Feld geführt werden, dann merke ich, dass die „ExpertInnen“ die Studien oft gar nicht gelesen haben. 😉

Deshalb halte dich an das, was du bei deinen Kindern beobachtest und was du selbst über ein gutes Leben mit Kindern weißt:

1. Auf das Kind kommt es an.

Wenn dein Kind beim Gucken Entspannung findet, sich freuen kann, im positiven Sinn „angeregt“ wird – gut. Andere Kinder sind schnell überreizt, und das vllt schon nach kurzer Zeit (die ganz Kleinen auch schon nach wenigen Minuten). Sie

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Veröffentlicht am 20.02.2024 um 20:40:37 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Wie gefährlich ist die Bauchlage für Säuglinge?

Mit der Frage machst Du ein echtes Fass auf! Tatsächlich nämlich beißt sich die Forschung an der Bauchlage die Zähne aus, denn

einerseits weiß sie das: Viele Säuglinge – und gerade die jungen Säuglinge – regulieren sich in der Bauchlage besser und schlafen entsprechend auch besser… … andererseits aber ist die Bauchlage ein eindeutiger Risikofaktor für den Plötzlichen Kindstod.

Leider kommt die Forschung zu diesem Dilemma erst langsam in Gang (ich selbst bin mit einer Arbeitsgruppe daran beteiligt). Unklar ist zum Beispiel, worin das Risiko der Bauchlage genau besteht. Ist sie „aus sich heraus“ riskant? Oder entfaltet sich das Risiko nur unter bestimmten ungünstigen Bedingungen? Oder nur bei besonders vulnerablen Babys? Oder wenn beides zusammenkommt?

Für diese Vermutungen gibt es ein paar Hinweise aus der Forschung:

Das mit der Bauchlage verbundene SIDS-Risiko ist nämlich deutlich höher...

für Babys von Müttern, die in der Schwangerschaft geraucht haben die untergewichtig oder zu früh geboren wurden wenn ein Säugling kränkelt oder eine Infekt hat wenn ein Baby auf einer zu weichen oder unebenen Unterlage (etwa Sofa) schläft. wenn ein Säugling zum ersten Mal in Bauchlage zum Schlafen gelegt wird – also offenbar keine Erfahrung damit hat.

Dagegen ist das mit der Bauchlage verbundene SIDS-Risiko für gestillte Kinder geringer als für mit der Flasche ernährte

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Veröffentlicht am 13.02.2024 um 19:07:18 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Wie sage ich einem 19-Monate alten Kind Nein?

Dein Kind kann den rationalen Grund für dein Nein noch nicht nachvollziehen. Und das wird noch lange so sein. Es braucht dafür nämlich ein Grundverständnis der Welt und des Miteinanders (warum darf ich mit dreckigen Schuhen nicht auf den Sitz in der U-Bahn klettern? Warum muss ich jetzt ins Bett, wo ich doch spielen will?). Dieses Grundverständnis entwickelt sich in der mittleren Kindheit (so 3 bis 10, je nach Thema...). Ab da werden die Kinder langsam „verständig“.

Dein Kind kann auch deine Gefühle noch nicht nachvollziehen. Etwa, warum du vielleicht zornig bist (Vase zerbrochen), panisch reagierst (Fummelei an der Steckdose) oder dir selber Stress machst (“dieses Kind testet Grenzen aus – ich muss dagegenhalten!”). Einfach, weil es noch nicht in deinen Kopf hineinblicken kann!

Die Kleinen üben diese Perspektivübernahme ab etwa drei, vier Jahren – beim Spielen etwa! Und sie werden darin von Jahr zu Jahr besser! Die hohe Schule dieses Projekts schaffen sie dann im späten Grundschulalter – jetzt erst verstehen sie etwa komplexe Ironie. Und jetzt kannst Du mit ihnen wunderbar diskutieren!

Dass dein Kind mit Protest reagiert, wenn du es etwas nicht machen lässt, ist absolut normal und erwartbar. Es versteht ja den Sinn deiner Handlung noch nicht! Natürlich ist es enttäuscht. Oder frustriert. Oder durcheinander (auf dem Sofa zuhause darf ich rumturnen und

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Veröffentlicht am 06.02.2024 um 19:02:00 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Herr Dr. Renz-Polster, was erwartet uns denn in Ihrem neuen Buch ?

Herr Dr. Renz-Polster, was ist Ihr neues Buch denn – ein weiterer bedürfnisorientierter Elternratgeber?

HRP (schmunzelt): Natürlich geht es in meinem Buch um die kindlichen Bedürfnisse, und um Bindung, und wie! Das ist ja die Grundlage eines guten Miteinanders in der Familie. Aber von dort geht es noch ein ganzes Stück weiter, das deutet ja schon der Untertitel meines Buches an. Denn ja, wie ein Kind am Ende seiner Kindheit dasteht, entscheidet sich nicht nur an den guten Beziehungen zu seinen Eltern, wir vergessen das manchmal. Auch in liebevollen, achtsamen Beziehungen kann man einem Kind entscheidende Dinge vorenthalten.

… welche entscheidenden Dinge denn?

HRP: Entscheidend ist der *ganze* Erfahrungsraum des Kindes. Dazu gehört sein „Wurzelraum“, also das sichere Gebunden- und Bezogensein, aber genauso auch sein „Flügelraum“, wie ich es nenne. Also, dass das Kind auch die Welt entdecken kann, und das nicht unbedingt angeleint bei den Erwachsen, sondern mit dem eigenen Motor. Um diesen Flügelraum geht es mir in meinem neuen Buch auch deshalb, weil der in den letzten ein, zwei Generationen schwer gelitten hat. Ich gehe so weit, dass ich sage: Natürlich hätten die früheren, in den autoritären Zeiten aufgewachsenen Kinder die heutigen Kinder um deren insgesamt bessere Erziehung beneidet. Aber sie hätten sie wohl auch bemitleidet – für ihre oft lauwarmen Kindheiten nämlich. Den Entwicklungsraum müssen wir unbedingt wieder

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Veröffentlicht am 05.02.2024 um 14:24:06 Uhr - Kategorie: Mit Herz und Klarheit - Autor: Herbert Renz-Polster

Empfehlen Sie die Meningokokken-B-Impfung?

Eine hochaktuelle Frage, die Impfung gegen B-Meningokokken wurde ja jetzt gerade erst von der STIKO in das Regel-Impfprogramm für alle Kinder unter 5 Jahren aufgenommen. Vorgesehen für Deine Lilja sind dabei Impfungen mit 2, 4 und 12 Monaten. Für die Kleinkinder werden Nachholimpfungen bis zum 5. Geburtstag empfohlen.

Weil es eine wirklich komplexe Abwägung ist, habe ich hier auf meinem Blog einen ausführlichen Kommentar zur Frage der MenB-Impfung veröffentlicht. Er enthält auch weitere Informationen zu den Meningokokken-Infektionen, etwa auch, wie Du eine Infektion erkennen würdest, sollte sie auftreten. Gerne besuchen!

Vielleicht das vorweg: ich selbst bin im „Team Impfen“, finde also vorbeugende Impfungen grundsätzlich eine gute Strategie. Dennoch halte ich es für wichtig, jede Impfung auf ihre Vor- und Nachteile zu bewerten (das mache ich übrigens in meinem Buch „Gesundheit für Kinder“).

Die Meningokokken sind eine Familie von Bakterien aus mehreren Mitgliedern - diese werden als Serogruppen bezeichnet (es gibt fünf davon: A, B, C, Y und W). Sie leben als ganz normale Mitglieder unserer Mikrobenflora auf den Schleimhäuten im Mund und Rachen (das tun sie zumindest bei 10% von uns, sie machen diesen „Trägern“ dabei keine

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Veröffentlicht am 30.01.2024 um 14:04:27 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Was taugt die neue Meningokokken-B-Impfung für Kinder?

Heute, etwa 1000 Jahre später, haben wir eine neue Impfung im Programm, die Impfung gegen Meningokokken B – möglich geworden erst durch den computergestützten Nachbau bestimmter Oberflächenstrukturen dieses Bakteriums.

A, B, C, Y, W…

Eltern kennen die Meningokokken schon mit einem anderen Buchstaben, dem C, also den „C“-Meningokokken, gegen die Kinder schon lange als Teil des Regelimpfungsprogramms in Deutschland geimpft werden (genauer: seit 2006). Die Meningokokken sind nämlich eine ganze Familie von Bösewichten, und deren Mitglieder, die so genannten „Serogruppen“, werden mit Buchstaben bezeichnet: A, B, C, Y, W. Sie treiben weltweit in unterschiedlicher Häufigkeit ihr Unwesen - und gegen alle kann inszwischen geimpft werden (neben den Regelimpfungen gegen MenC und jetzt MenB sind in Deutschland auch diverse ACWY-Kombi-Impfungen auf dem Markt verfügbar..

Übertragung und Risikofaktoren

Wie viele andere Bakterien auch, leben die Menigokokken „einfach so“ auf den Schleimhäuten gesunder Menschen. Etwa 10 % von uns sind solche „Träger“ und haben davon selbst in aller Regel keine Nachteile, werden also selbst nicht krank. Wenn die Bakterien allerdings auf andere übertragen werden – das geschieht durch Husten oder Niesen -, kann es extrem selten einmal passieren, dass die Bakterien in dem neuen Wirt in den Blutstrom vordringen und dann eine Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung (Sepsis) auslösen. Das

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Veröffentlicht am 30.01.2024 um 13:43:14 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Meine Kinder, achtsam erzogen, spucken mich an.

Ich danke Dir für Deine Offenheit und wie toll, dass Du jetzt den Punkt erreicht hast nach Hilfe zu fragen! Denn Euch allen geht es ja nicht gut, Deine Kinder eingeschlossen.

Und nein, Du musst jetzt nicht drohen oder Strafen verhängen (Danke dafür!). Du musst du selbst sein. Kein Fragezeichen (Diskutieren, Kommentieren, Betteln, langes Rumtexten), kein Ausrufezeichen (Beschämen, Bestrafen, Drohen), sondern ein Punkt: Ich bin diejenige, die hier den Laden am Laufen hält. Ich bin diejenige, die Euch Kinder versorgt und schützt. Und auch die Tiere, die bei uns leben. Ich bin die Hüterin unseres Lebens als Familie. WIR GEHEN SO NICHT MITEINANDER UM.

Und ja, ich weiß: du hast alles versucht, im besten Willen. Trotzdem will ich das an erste Stelle rücken: Wenn du wirklich an diese Haltung glaubst, wenn du wirklich ganz sicher bist, dass nur dieser Weg ein guter Weg ist, werden Deine Kinder dich überhaupt erst wahrnehmen. Und ihr werdet nach und nach den Prozess umkehren, der sich bei Euch eingeschliffen hat. Der sich eingeschliffen hat, weil Kinder mit unglaublich wachen Antennen nach Orientierung suchen: Was ist okay, was nicht? Wie geht man hier miteinander um? Diese Orientierung bekommen die Kinder durch die ganz normalen, menschlichen Reaktionen ihres Gegenübers: so ist es gut, so nicht. So passt es zum Familienleben, so nicht. So kann ich es selbst als Mama schaffen - und so nicht. Etwa, weil es über meine

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Veröffentlicht am 23.01.2024 um 16:40:31 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

6-Jährige Tochter masturbiert in der Öffentlichkeit, was tun?

Ja, wilde Thesen zur kindlichen Selbstbefriedigung gab es schon immer, auch heute noch. Ein paar Gedanken dazu.

Erstens. Schon Babys haben sexuelle Regungen, also spüren Lust auch über die Genitalien, den Eltern sind die dazugehörigen Phänomene wie erigierter Penis oder geschwollene Schamlippen vertraut. Und auch dass die Kleinen der Lust durch bestimmte Körperstellungen und Bewegungen manchmal nachhelfen. Das ist Ausdruck einer ganz normalen, gesunden Entwicklung. Mit unserer erwachsenen Sexualität ist diese „Ganzkörperlust“ nicht gut zu vergleichen. Das Kind sammelt dabei Erfahrungen, entdeckt seinen Körper, und ist dabei pragmatisch wie in jedem Spiel: wenn ich das oder jenes tue, bekomme ich schöne Gefühle, Punkt.

Zweitens. Für das Kind sind die sinnlichen Momente wichtig, es lernt dabei auch seinen Körper gern zu haben. Es ist deshalb gut, wenn du ihm die Freiheit gibst sich selbst zu entdecken (und andere, etwa gleichaltrige Kinder auch, da stehen ja dann so mit drei oder vier Jahren die „Doktorspiele“ hoch im Kurs, die wir den Kindern nicht verderben dürfen, aber dazu vielleicht mal was wann ander mal).

Drittens, und zurück zur Selbstbefriedigung. Weil es für sie ja nichts Peinliches ist, machen Kinder das auch im Beisein anderer. Sollen/dürfen wir dann eingreifen? Natürlich. Zum Beispiel, weil man eben doch „erwachsene“ Schamgefühle hat, oder vielleicht

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Veröffentlicht am 16.01.2024 um 12:35:54 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Kein Schiff wird kommen

Kinder entwickeln irgendwann ab der mittleren Kindheit einen eigenen Blick auf die Welt. Wo vorher vieles einfach Sache der Erwachsenen war, geht jetzt ein Fenster zur Welt auf: Wie läuft das hier? Was passiert um mich herum? Wo läuft das alles hin? Was ist meine eigene Rolle in dem Ganzen? Kurz, Kinder und Jugendliche denken über ihre Rolle in der Gesellschaft nach, was sie dort wohl erwartet, und sie entwickeln eine „Haltung“ dazu: was ist gut, und was ist böse, was ist richtig, was ist falsch, wo stehe ich in diesem Treiben? Sie bewerten sozusagen die Welt, in der sie gelandet sind und leiten daraus eine Art Grundgefühl des Lebens ab. Das kann aus einer inneren Gegenwehr bestehen: Nein, wir so nicht leben! - Man denke etwa an die Emanzipationsbewegungen der auslaufenden 1960er ff Jahre, Generation Woodstock usw. Oder es kann aus einem Erschrecken bestehen, gepaart mit einem: aber wir können das schaffen! Denn wir haben neue Ideale und wir haben Kraft und Grund zu Optimismus – das wäre etwa das Lebensgefühl, das ich als Jugendlicher hatte, Zeit des zugespitzten Ost-West-Konflikts und auch der aufkeimenden Ökologie-Bewegung: wir werden die Erde retten!

Und heute? Ich glaube, wir machen uns die Not unserer Kinder und Jugendlichen nicht deutlich genug. Was sie mit dem Blick auf die Welt heute innerlich erleben. Welche lähmende Auswegslosigkeit. Sie sind ja nicht blind, und sehen, dass das Klima kippt. Sie wissen, dass die Erwachsenen zu spät begonnen

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Veröffentlicht am 12.01.2024 um 14:36:57 Uhr - Kategorie: Aktuelles - Autor: Herbert Renz-Polster

Karies durch Langzeitstillen?

Das Wichtigste an dieser Frage ist mir gar nicht die Karies selber, sondern die Frage nach der Schuld. Dass sich Eltern sofort schuldig fühlen, wenn das Kind was hat oder leiden muss, ist normal.

Aber du musst unbedingt auch einen Schutz dagegen stellen! Und dir immer wieder sagen: ich mache hier alles so gut ich kann, und eigentlich läuft es gut. Du, mein Kind, hast bei mir Geborgenheit, wir sorgen gut für dich, du gedeihst.

Passieren uns vielleicht manchmal auch Fehler? Kriegen wir etwas nicht so gut auf die Reihe? Bestimmt, das gehört auch zu dem Paket „Leben mit Kindern“. In dem passieren nicht nur Magie und Wunder, sondern auch Unfälle, Irrtum und anderer Sch…. Wir versuchen dann das Beste draus zu machen und daraus zu lernen. Aber insgesamt machen wir es gut.

DAS ZÄHLT und ist das Entscheidende: Dein Kind ist gesund und ganz, auch wenn es jetzt Karies an den Zähnchen hat. Manchnmal passieren solche Sachen, und die beste Mama oder Papa können es nicht verhindern. Die Frage nach der Schuld führt nirgendwohin.

Aber zu Deiner Frage! Wie Stillen und Karies zusammenhängen, ist unglaublich komplex.

Du siehst es ja schon an deinem persönlichen Fall. Würdest du deine Tochter jetzt nicht mehr stillen und sie bekommt Karies, dann hieße es: das kommt vom Zucker! Oder von den Genen. Oder vielleicht putzt sie zu wenig. Jetzt heißt es: es kommt vom Stillen.

Auch die Wissenschaft kann die Frage nicht eindeutig

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Veröffentlicht am 09.01.2024 um 15:34:03 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Politik auf dem Wickeltisch

Im Folgenden sei ein zentrales Thema der letzten Jahre genauer beleuchtet, der Rechtspopulismus. Der Begriff hat schon vom Wortbild her einen doppelten Kern. Da ist zum einen der Populismus: Darunter versteht man Richtungen, welche die Vorstellung vertreten, das (gute) Volk sei angeblich schlechten Eliten ausgeliefert, welche dem rechtschaffenen Bürger Einfluss, Macht und Kontrolle vorenthalten. Der andere Kern ist der Autoritarismus: Mit diesem Begriff wird die Neigung von Menschen beschrieben, sich in ein System von Befehl und Gehorsam einzugliedern und gleichzeitig diejenigen abzuwerten, die nicht zur eigenen Gruppe gehören – andere Ethnien etwa. Der Rechtspopulismus wird deshalb treffender auch als autoritärer Populismus bezeichnet.

Die vielen Formen des Autoritarismus

Betrachtet man den Kern des Autoritarismus, also die bedingungslose Eingliederung in eine moralisch überzeichnete Hierarchie, so verwundert es nicht, dass er kein Privileg politisch organisierter Parteien ist – und ein Privileg »rechter« Parteien schon gar nicht. Autoritäres, hierarchisches oder auf soziale Dominanz gerichtetes Denken lässt sich auch bei »linken« politischen Strömungen finden – Stalin und Mao oder ebenfalls ein Andreas Baader von der Roten Armee Fraktion können als Beispiele dienen. Aber auch in den Religionen dieser Welt sind autoritäre Strömungen zu finden – von der Sektengemeinde Colonia Dignidad über die »12 Stämme« (Anfang

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Veröffentlicht am 06.01.2024 um 14:48:30 Uhr - Kategorie: Aktuelles - Autor: Herbert Renz-Polster

Saure Durken – muss mein Kind zur Logopädie?

Nein, das braucht er nicht.

Das Verdrehen der Konsonanten am Wortanfang ist völlig normal und geht von selber weg. Das liegt daran: manche Konsonanten sind schwer zu bilden, weil das Kind dazu nicht nur die Lippen und Zunge brauchen. Sondern auch: ganz schön Luftdruck!

Wir machen das mal miteinander: Sprich mal den Buchstaben „K“. Da muss hinten der Gaumen dicht versiegelt sein, dann wird das Zwerchfell angespannt (wie beim Husten), und dann wird das K sozusagen explosionsartig herausgeschleudert 😉 Ganz schön schwierig!

Viel leichter ist das T. Da muss dein Kind nur die Zungenspitze ein bisschen hochheben und an die obere Zahnreihe legen. Und dann reicht schon ein kleines bisschen Luft um ein schönes T zu produzieren! Dazu muss man nicht viel mit dem Zwerchfell arbeiten.

Deshalb ersetzen viele Kinder am Anfang das K durch ein T. Sie schenken sich dann Taffee ein. Oder sie essen saure Durken.

Woher ich weiß, dass das von alleine weg geht?

Ganz einfach: gibt es im deutschen Sprachraum irgendwelche Erwachsenen, die Taffee trinken? Nein. Keinen einzigen!

Na also. Weil nämlich alle das mit dem Zwerchfell irgendwann gut hinbekommen.

Also: einfach abwarten – wie schön!

Gilt das für alle „Sprachfehler“? Nein. Auch hier kann der Realitätscheck helfen. Gibt es Erwachsene, die stottern? Natürlich, und die meisten haben damit als Kinder begonnen. Ergo: Stottern kann sich manchmal verfestigen

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Veröffentlicht am 02.01.2024 um 19:24:12 Uhr - Kategorie: Bildung, Kitas, Schule .... - Autor: Herbert Renz-Polster

Neuerscheinung: Mit Herz und Klarheit

Die gute Autorität

Viele Eltern wollen ihre Kinder liebevoll und zugewandt erziehen, doch die Konflikte im Alltag bringen sie immer wieder an ihr Limit. Und schon sind die alten Fragen wieder da: Wie viel Grenzen brauchen Kinder? Sollte ich nicht konsequenter sein? Wie kann ich erziehen ohne zu verletzen?

Der renommierte Erziehungsexperte und Kinderarzt Herbert Renz-Polster beschreibt in diesem umfassenden Kompass, wie Kinder ihre Stärken entwickeln und wie eine Erziehung gelingt, die Mitbestimmung und elterliche Führung verbindet.

Ein wegweisendes Buch, das gerade jetzt Orientierung gibt, wo viele Eltern an den in dem Buch behandelten Hotspots verzweifeln: der Medienproblematik, der oft wackeligen Kooperation in der Familie und der Frage nach den Grenzen.

Für eine Erziehung, die Familien stärkt, weil sie Kindern beides schenkt: Wurzeln und Flügel.

Zum Buch

 

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Veröffentlicht am 01.01.2024 um 11:26:35 Uhr - Kategorie: Uncategorized - Autor: Herbert Renz-Polster

Streit mit der pubertierenden Tochter

Ja, sehr wohl habe ich die. Hier kann ich nur ein paar Kerzen anzünden, passt ja zur Weihnachtszeit. Vielleicht tust auch Du das im Kopf immer wieder, um langsam Licht und Orientierung in Eure Beziehungskiste reinzubringen?

Wie wunderbar, dass Beziehungen lebendig sind und sich auch immer wieder in neue Richtungen formen lassen. Du und Dein „Kind“ waren einmal verbunden, das löst sich nicht einfach auf. Das ist Eure Basis.

Bleiben wir aber gleich bei der Verbundenheit, an der scheint es jetzt zu hapern. Und das merkt man. Denn nur wer sich verbunden fühlt, arbeitet gerne zusammen. Wie könnt Ihr neue Maschen knüpfen? Denke dran rum. Eine Basis ist das Interesse, das verstehen-Wollen: Was bewegt Dich gerade? Und: gibt es etwas, das Euch beiden Spaß macht (100 % gibt es das!)? Eine geteilte Aufgabe vielleicht sogar? („Wer nachts gemeinsam das Feuer hütet, wächst zusammen“ – HRP) Leider dominieren bei uns im Alltag oft die trennenden Erfahrungen – welche sind das bei Euch? Die solltet Ihr Euch vornehmen.

Du bist frustriert mit Deiner Tochter – und Deine Tochter ist frustriert mit Dir – warum? Weil Deine Tochter sich nicht gesehen...

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Veröffentlicht am 26.12.2023 um 21:23:41 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Mein Kind will nicht Pipi machen

Ja, das ist pipi-technisch ein heikles Alter, weil der Übergang zum Alles-selber-Können oft halt erst zu 95 oder 98 Prozent gemeistert ist … und das Kind dann bei besonderen Herausforderungen an seine Grenzen kommt.

Etwa in der Kita. Da sind die Abläufe anders, vielleicht auch das Spiel mit den anderen Kinder soooo super spannend, so dass man dann doch mal lieber hochhält – und das geht dann halt nur eine Weile gut und irgendwann in die Hose. Oder das Klo ist dem Kind ein bisschen fremd oder mit Angst besetzt, und das hat sich bei Kindern im gerade so im dritten bis fünften Lebensjahr schnell. Denn sie sind jetzt im „magischen Alter“, das heißt, dass sie sich rasch auch eine Welt zurechtlegen, in der Krabbeltiere, Geister oder sonstige Gefahren irgendwo versteckt sein könnten. Etwa im Klo.

Manchmal lauern aber auch zuhause Stress-Faktoren. Ein neues Geschwisterkind beispielsweise, Stress zwischen den Eltern, der sich auf das Kind überträgt, ein Umzug, und so weiter.

Gut, aber du willst wissen, was du tun kannst.

Die Abklärung organischer Ursachen ist immer eine gute Idee. Das beginnt damit, mal den Urin anzuschauen, ob vielleicht doch ein Harnwegsinfekt vorliegt. Aber bei dem wäre eher häufiges und schmerzhaftes Wasserlassen zu erwarten. Auch für eine organisch bedingte Blasenfunktionsstörung sehe ich keinen Hinweis. Medizinisch sollte aber auf jeden Fall auch eine chronische Verstopfung ausgeschlossen werden, denn

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Veröffentlicht am 19.12.2023 um 15:45:31 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Die Zahl 5,7

Der Zahl 5,7 nämlich. Das ist der Personalschlüssel, nach dem die Unter-Dreijährigen Kinder in den ostdeutschen Bundesländern betreut werden (eigentlich sollte ich sagen: „gebildet“ werden, aber dazu gleich mehr).

Was die Zahl aussagt

Schauen wir uns einmal an, was die Zahl 5,7 genau aussagt. Sie beschreibt den Personalschlüssel – das ist „ein statistischer Wert, nach dem errechnet wird, wie viel Personal in einer Kita eingestellt wird.“ Er besagt im Grunde lediglich das: pro 5,7 Krippenplätzen besteht 1 voller Arbeitsvertrag mit einer pädagogischen Fachkraft. Heißt das, dass sich im Krippenalltag eine Fachkraft um 5,7 Kinder kümmern kann?

Leider nein. Denn das echte ErzieherInnen-Leben beinhaltet auch

Krankheitstage (und zwar nicht zu knapp, der ErzieherInnenberuf gehört wegen der hohen Stressbelastung und der vielen Infekt zu den Berufen mit den höchsten Ausfallszeiten) Urlaubstage Fortbildungszeiten Vorbereitungs- und Nachbereitungszeiten für die pädagogische Arbeit Dokumentation Elterngespräche Teambesprechungen Und und und

Kurz, der Personalschlüssel sagt nur wenig darüber aus, wie viel Zeit eine Erzieherin oder ein Erzieher in der Kita für ein Kind hat. Da kommt es viel stärker auf eine andere Größe an, die so genannte Fachkraft-Kind-Relation. „Sie gibt an“, so schreibt die Bertelsmann-Stiftung, „wie viele Kinder eine Vollzeit-Fachkraft rechnerisch unmittelbar im Alltag

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Veröffentlicht am 17.12.2023 um 10:46:33 Uhr - Kategorie: Aktuelles - Autor: Herbert Renz-Polster

Ich habe Angst vor dem Plötzlichen Kindstod

Das geht nicht wenigen Eltern so, und bei Ängsten ist das mit der Beratung so eine Sache. Denn ich kann zwar Zahlen nennen, die dich beruhigen könnten, aber ihre Wirkung ist oft begrenzt.

Es ist wie mit den Schlangen und den Autos: Wir haben irre Angst vor Schlangen, obwohl im Grunde niemand daran stirbt. Autos machen uns weniger Angst, obwohl die x-tausend mal gefährlicher sind, rein statistisch.

Aber ich versuche es trotzdem Und ich glaube auch, dass an deiner Angst eine falsche Aufklärung über den Plötzlichen Kindstod (SIDS) schuld ist, die leider auch zum Teil meine Kollegen betreiben, ist nun einmal so. Denn was bei Eltern oft hängenbleibt ist das:

SIDS ist sehr häufig SIDS kann jedes Baby treffen, jederzeit

Ich beschäftige mich nun schon seit 2013 mit SIDS, auch wissenschaftlich. Und ich kann nur sagen: das stimmt so nicht. Schauen wir uns die Aussagen an.

SIDS ist sehr häufig? Dazu wird in „Aufklärungsgesprächen“ oft behauptet, es sei die häufigste Todesursache im Säuglingsalter. Oder im Säuglingsalter nach der Neugeborenenzeit (also ab dem 2. Monat). Fakt ist aber das: SIDS ist heute sehr selten. Wenn man die Erstickungstodesfälle hinzuzählt, so sterben daran etwa 100 Säuglinge jährlich in

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Veröffentlicht am 12.12.2023 um 21:35:31 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Fieber – senken oder nicht?

Dass Eltern bei einem fiebernden Kind gerne zum Fiebermittel greifen, ist verständlich. Denn anders als so manch andere Arznei, wie etwa die Hustenmittel, wirken die Fiebersäfte, -zäpfchen oder tabletten sehr gut. Oft wird aus einem jämmerlich leidenden Kind ein Kind, das wieder einigermaßen fit erscheint. Kein Wunder dreht sich die Diskussion unter Eltern eher um die Frage: welches Fiebermittel ist besser (Paracetamol oder Ibuprofen, oder gar beide zusammen?) als um die Frage: Soll Fieber überhaupt medikamentös gesenkt werden? Allenfalls werden noch die Gradzahlen verhandelt, ab denen das Fiebermittel zum Einsatz kommt: 38 Grad? 38,5 Grad? 39 Grad?

Die Erfahrungen des Prof. Julius Wagner-Jauregg

Die Fieberforschung begann mit einer zufälligen Beobachtung – die  dann in einem Nobelpreis endete. Ihr Kern: Fieber kann ein Freund sein, und was für einer!

Syphilis, eine von dem Bakterium Treponema pallidum ausgelöste Erkrankung, war bis weit in das 20. Jahrhundert hinein eine Geißel der Menschheit. Insbesondere ihr letztes Stadium, die Neurosyphilis,  brachte Menschen in der Blüte ihres Lebens um ihre Gesundheit, ja um ihren Verstand (Robert Schumanns frühe Umnachtung etwa war darauf zurückzuführen, dass sein Gehirn von Syphilis befallen war). Eine Therapie gab es nicht, Antibiotika wurden ja erst Mitte des 20. Jahrhunderts entdeckt.

In den 1880er Jahren machte der österreichische Psychiater Julius Wagner-Jauregg allerdings

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Veröffentlicht am 07.12.2023 um 18:30:41 Uhr - Kategorie: Aktuelles - Autor: Herbert Renz-Polster

Geschwister streiten ständig. Was tun?

Puuh, ja, Streit unter Geschwistern gehört wirklich zu den Dauerbrennern in den Familien.

Warum? Weil auch Kinder unterschiedliche Interessen haben. Und noch nicht gelernt haben, diese immer konstruktiv und geräuschlos auszugleichen (wir Erwachsenen sind darin ja auch nicht perfekt).

Das erklärt, warum Geschwisterkinder umso häufiger in Streit geraten je jünger sie sind und je enger der Altersabstand ist. Sie konkurrieren dann eher mal um die gleichen Kuchenstückchen.

Wie damit umgehen? Wichtig ist mir das:

Erstens. Wenn sich Eltern bei mir über die ewigen Geschwisterkonflikte beklagen, gebe ich gerne den Rat, ganz bewusst auch die andere Seite zu betrachten: WIE TOLL, DASS IHR EUCH ALS GESCHWISTER HABT! Das ist eine riesen Chance, ein ganzes Leben lang. Ja, manchmal nervig, aber unter dem Strich: think positive! (Ich glaube, meine eigenen Eltern hätten sonst das Leben mit uns Zwillingen gar nicht überlebt, der Streit unter Zwillingen kann episch sein!) Zweitens (um beim Positiven zu bleiben): Kinder machen ja beides: sie spielen miteinander, und sie streiten miteinander. Und weil sie unbedingt und immer wieder miteinander spielen wollen, fällt es ihnen auch leichter, immer wieder zusammenzufinden. The show must go on! Auch hier sind Zwillinge echte Meister. Diese endlosen Grabenkämpfe ohne Versöhnung und Widerannäherung, die sich manche Erwachsene leisten, sind bei Kindern ja die absolute Ausnahme. Wie schön! Drittens: Wir...

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Veröffentlicht am 05.12.2023 um 19:39:37 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster

Kind weint wenn Papa es ins Bett bringt

Das ist ein ganz normales Verhalten von kleinen Kindern: Gerade beim Einschlafen suchen sie verstärkt nach dem Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, nur dann können sie loslassen und in den Schlaf finden. Kommen Kinder in Not oder Stress verengt sich ihr Bindungshorizont. Und zwar auf die Person, mit der sie bisher die meisten guten Erfahrungen mit „Stress-lass-nach“ gemacht haben. In den meisten Familien ist das bis heute die Mutter, sie ist in der Alltagsroutine ja de facto zumeist vorne dran im Interaktionssystem.

Wie damit umgehen? Das hängt von mehreren Faktoren ab.

Erstens von der Vater-Kind-Beziehung. Ist der Vater präsent im Alltag des Kindes und die beiden miteinander gut vertraut? Das ist etwas anderes als wenn der Vater das Kind tagsüber nur wenig begleiten kann und das Kind entsprechend wenig gemeinsame Routinen mit ihm entwickeln konnte. Zweitens von der Reaktion des Kindes. Es gibt die zarter besaiteten Kinder, die doll viel Hülle und Begleitung brauchen, und es gibt andere, die sich schneller umstellen und auch ein dickeres Fell haben. Die ersteren werden durch euren Plan mehr belastet als die letzteren. Manche Einjährige werden in der ungewohnten Situation dann stundenlang schreien, bis sie vor Erschöpfung einschlafen. Andere weinen ein bisschen, geben sich dann aber mit der Situation zufrieden. Mehr noch: Manche Kleinkinder entwickeln als Reaktion eine Ablehnung gegenüber dem Vater, andere bleiben dem Papa dann auch...

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Veröffentlicht am 28.11.2023 um 20:33:17 Uhr - Kategorie: Blog - Autor: Herbert Renz-Polster



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